Evidenzbasiertes Arbeiten für mentale Gesundheit
Wie wir Forschung, Prävention und gelebte Praxis verbinden – damit mentale Gesundheit nicht dem Zufall überlassen bleibt
von Dr. Mareike Pfaff und Steffen Hausmann
Woher wissen wir, was wirklich wirkt?
Woher weiß man eigentlich, ob ein Angebot für mentale Gesundheit wirklich hilft – oder nur gut klingt? Wir bei Wemento setzen auf evidenzbasiertes Arbeiten: Erkenntnisse aus Prävention, Psychologie und Organisationsentwicklung, übersetzt in Formate, die im Alltag funktionieren.
Kennen Sie das? Auf dem Schreibtisch liegt das dritte Angebot diese Woche: ein Resilienz-Workshop hier, eine Achtsamkeits-App dort, dazu ein Vortrag mit viel gutem Gefühl und großen Versprechen. Alles klingt sinnvoll. Alles klingt wichtig. Und trotzdem bleibt diese leise Frage im Hinterkopf: Was bewirkt das eigentlich?
Die Frage, ob ein Angebot wirkt, ist selten so einfach wie „wirkt“ oder „wirkt nicht“. Manche Maßnahmen schaffen Aufmerksamkeit, andere vermitteln Wissen oder regen zur Reflexion an, wieder andere verändern tatsächlich Verhalten oder Strukturen im Arbeitsalltag. Entscheidend ist deshalb, welches Ziel verfolgt wird und ob die gewählten Methoden geeignet sind, dieses Ziel zu unterstützen.
So arbeiten wir: Forschung, Prävention und Praxis als eine Formel. Konkret verbindet unsere Arbeit drei Dinge, die für uns zusammengehören:
- Wissenschaftliche Fundierung. Wir orientieren uns an aktuellen Erkenntnissen aus Prävention, Psychologie und Organisationsentwicklung. Unsere Leitfrage ist nicht „Was ist gerade angesagt?“, sondern „Was ist tatsächlich belegt?“.
- Prävention als Ausgangspunkt. Wir setzen bewusst früh an und gestalten Bedingungen, bevor aus Belastung eine Krise wird. Vorbeugen ist nicht nur menschlicher, sondern meist auch wirksamer, als hinterher zu reparieren.
- Praxisnähe, denn Forschung, die in der Schublade bleibt hilft niemandem. Deshalb machen wir wissenschaftliche Erkenntnisse im Alltag erlebbar.
In unserer Arbeit kommen fachliche Expertise und praktische Erfahrung zusammen: aus Psychologie, Gesundheitswissenschaften, Organisationsentwicklung – und aus über 200 Projekten, in denen wir gesehen haben, was im Alltag wirklich trägt. Genau deshalb heißt evidenzbasiert für uns nicht, möglichst viele Studien zu zitieren, sondern sorgfältig abzuwägen, was zu einer konkreten Situation passt.
Auch nach einem Workshop begleiten wir den Transfer in den Alltag und greifen auf, was tatsächlich umgesetzt werden konnte. Denn viele Impulse verpuffen, wenn sie nicht aufgefrischt werden.
MEA
Wie das konkret aussehen kann, zeigt unsere Mentale Erste Hilfe Ausbildung (MEA). Sie vermittelt wissenschaftlich fundiertes Wissen mit präventivem Anspruch: Mitarbeitende lernen, seelische Krisen früh zu erkennen, erste unterstützende Gespräche zu führen und betroffene Personen an passende professionelle Hilfen heranzuführen. Weil psychische Belastungen im Arbeitsalltag oft nicht sofort sichtbar sind, braucht es dafür Orientierung, Sicherheit und ein erlernbares Vorgehen statt Bauchgefühl.
Wissenschaftlichkeit zeigt sich für uns auch darin, Wirkung langfristig zu sichern. Meta-Analysen von Morgan, Ross und Reavley (2018) zeigen, dass Selbstvertrauen und Hilfsintention bei ausgebildeten mentalen Ersthelfenden mit der Zeit nachlassen können. Deshalb setzen wir auf Auffrischung und Verstetigung: Unser MEA-Stammtisch bietet Raum für Austausch, Reflexion konkreter Situationen und neue Impulse für die Rolle als Ersthelfende. So bleibt das Wissen im Alltag präsent und dann abrufbar, wenn es gebraucht wird.
Evidenzbasiert heißt auch: ehrlich bleiben. Vielleicht der wichtigste Teil: Evidenzbasiertes Arbeiten ist für uns vor allem eine Haltung der Ehrlichkeit.
- Dazu gehört, zu unterscheiden, was gut belegt ist und was noch offen.
- Dazu gehört, keine Wunder zu versprechen.
- Und dazu gehört, zuzugeben, wenn wir etwas nicht sicher wissen.
Wissen entwickelt sich weiter – und wir entwickeln uns mit. Wenn neue, belastbare Erkenntnisse etwas anderes nahelegen, ändern wir unsere Empfehlung. Das ist für uns kein Eingeständnis von Schwäche, sondern Anspruch. Wir versprechen also keine schnelle Lösung für ein komplexes Thema. Wir versprechen, dass wir genau hinschauen – und ehrlich sagen, was trägt und was nicht.
Was am Ende zählt
Am Ende läuft evidenzbasiertes Arbeiten für uns auf eine einfache Überzeugung hinaus: Menschen verdienen Angebote, die wirken – nicht nur gut gemeint sind.
Wie das konkret in Ihrem Bereich aussieht – ob in der Bildung, in der Wirtschaft oder in der Pflege – schauen wir uns gemeinsam mit Ihnen an. Denn was wirklich wirkt, entsteht selten allein. Es beginnt im WIR.
Mehr über unsere Projekte gibt es hier.
Literaturangabe:
Morgan, A. J., Ross, A., & Reavley, N. J. (2018). Systematic review and meta-analysis of Mental Health First Aid training: Effects on knowledge, stigma, and helping behaviour. PloS one, 13(5), e0197102.